RUNDER TISCH

Hier werden wir zukünftig, unsere Mitglieder und die interessierte Leserschaft, über die Entwicklungen und den Fortgang am RUNDEN TISCH informieren!

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Presseinformation der Geschäftsstelle Runder Tisch 11.06.2009

Dritte Sitzung des Runden Tisches „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“

Am 15./16. Juni tritt der Runde Tisch „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ zu seiner

dritten Sitzung zusammen.

Im Schwerpunkt dieser nicht öffentlichen Sitzung werden grundlegende juristischen Fragen

zum Thema erörtert und beraten. Hierzu findet eine Anhörung von Experten aus dem Bundesministerium

für Familie, Senioren Frauen und Jugend, dem Bundesministerium der Justiz

und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales statt.

Darüber hinaus wird Herr Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz, datenschutzrechtliche

Aspekte erörtern.

Berlin, 11.06.2009

Pressekontakt:

Geschäftsstelle Runder Tisch „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“

Mühlendamm 3, 10178 Berlin - Deutschland / Germany

Tel.: 0049 (0) 30 - 400 40 228

Fax: 0049 (0) 30 - 400 40 232

E-Mail:

info@rundertisch-heimerziehung.de

Homepage: www.rundertisch-heimerziehung.de

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Stellungnahme des Verein ehem. Heimkinder e.V. zu dem Untersuchungsbericht über Kindesmißhandlungen in Irland 

Am vergangenen Mittwoch hat die irische Kommission zur Untersuchung von Kindesmißbrauch in katholischen Schulen unter
Vorsitz von Sean Ryan seinen 2.500-seitigen Untersuchungsbericht veröffentlicht.

Die irische Untersuchungskommission berichtet von willkürlichen und exzessiven Bestrafungen, einem Klima der Angst und fehlender staatlicher Aufsicht.

Hierin erkennt die amtierende Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder Monika Tschapek-Güntner Parallelen zu den Geschehnissen in deutschen Heimen in der Nachkriegszeit, die derzeitig von dem Runden Tisch Heimerziehung unter Vorsitz von der Bundestagsvizepräsidentin a.D. Antje Vollmer untersucht werden: „Die Feststellungen der irischen Untersuchungskommission entsprechen dem Wesen nach dem, was uns am Runden Tisch und in unserer täglichen Arbeit von Betroffenen berichtet wurde. Auch in deutschen Heimen waren systematische Menschenrechtsverletzungen wie willkürliche Gewalt bis hin zum sexuellen Missbrauch an der Tagesordnung.“

Unverständnis äussert Tschapek-Güntner insoweit gegenüber dem zögerlichen Verhalten, welches Staat und Kirche bei der Bewältigung der Folgen an den Tag legen: „Eine ergebnisoffene Arbeit des Runden Tische, wie von Frau Dr. Vollmer in der konstituierenden Sitzung des Runden Tisches angekündigt ist fehl am Platze. Der Deutsche Bundestag hat in seinem Beschluss vom 04.12.08 das Unrecht nicht nur erkannt, sondern auch anerkannt. Der Runde Tisch sollte sich daher verstärkt mit der Bewältigung des Unrechts befassen und weniger mit bereits seit langem bekannten Fakten“, so Tschapek-Güntner.

An dieser Kritik ändert auch die jüngste Äusserung des Diakonie-Präsidenten Klaus-Dieter Kottnik nichts, wonach man am Runden Tisch Ende Juni erste Vorschläge für eine Wiedergutmachung präsentieren wolle. „Schon 2006 haben die Kirchen angekündigt, mit uns in einen Dialog über die Folgen der Heimerziehung einzutreten. Direkte Verhandlungen hat es nie gegeben. Wir begegnen der Äusserung von Kottnik daher mit gehöriger Skepsis. Was soll man auch von einem ausschließlich öffentlich kommunizierten Angebot halten, wenn die Vertreter der Diakonie gleichzeitig Verhandlungen am Runden Tisch mit den Rechtsvertretern der Opfer ablehnen“ gibt Rechtsanwalt Gerrit Wilmans zu Bedenken, der den Verein ehemaliger Heimkinder vertritt. Dem schliesst sich Tschapek-Güntner an: „Der erste Schritt, den wir von Staat und Kirche erwarten, ist, dass man wie in Irland oder Kanada mit uns auf Augenhöhe verhandelt und nicht erneut versucht, uns fertige Konzepte aufzunötigen“ 

Für weitere Rückfragen stehen Ihnen  zur Verfügung:

Frau Monika Tschapek-Güntner (Verein ehem.Heimkinder), Sandwelle 10, 59494 Soest, Tel: 02921 13608 Rechtsanwalt Gerrit Wilmans, Sierichstr. 32, 22301 Hamburg, Tel: 040 65055179

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Runder Tisch Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren

Ergebnisprotokoll der 2. Sitzung des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren am 02./ 03. April 2009

Die Sitzung wurde am 02. April 2009 um 9 Uhr durch die Vorsitzende Dr. Antje Vollmer eröffnet.

Einleitend stellte sie für die Geschäftsstelle des Runden Tisches die Referentin Katharina Loerbroks (Referentin der Infostelle) und den Referenten Holger Wendelin (Referent der Geschäftsstelle) mit den jeweiligen Aufgabenbereichen vor.

Die Vorsitzende forderte weiterhin die Mitglieder des Runden Tisches auf, bis zur 3. Sitzung jeweils einen festen persönlichen Abwesenheitsvertreter namentlich und verbindlich zu benennen.

Eine Vertreterin ehemaliger Heimkinder brachte einen Antrag des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V. (VEH) ein, der im Wesentlichen forderte, die veränderten Personalentscheidungen des VEH bezüglich des Runden Tisches zu respektieren und die Rechtsvertreter des Vereins an den Runden Tisch zuzulassen. Der Runde Tisch kam zu dem Ergebnis, dass über die Vertretung der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch kein Abstimmungsbedarf bestünde. Der VEH habe kein imperatives Mandat und die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der ehemaligen Heimkinder seien in der ersten Sitzung durch den Runden Tisch als Vertretung ehemaliger Heimkinder bestätigt worden.

Hinsichtlich der Anwaltsvertretung am Runden Tisch wurde durch verschiedene Mitglieder des Runden Tisches klargestellt, dass es sich beim Runden Tisch keinesfalls um ein behördliches oder gerichtliches Verfahren handelt, in dem eine anwaltliche Vertretung notwendig oder zulässig sei. Vielmehr sei eine vertrauensvolle Atmosphäre zwingend notwendig, um im Rahmen konstruktiver Beratungen zu tragfähigen Ergebnissen zu kommen. In diesem Zusammenhang sei eine anwaltliche Vertretung am Runden Tisch kontraproduktiv.

Im Ergebnis der Beratung wurde folgender Beschluss einstimmig bei drei Enthaltungen angenommen:

Der Runde Tisch beschließt, dass am Runden Tisch keine anwaltlichen Interessenvertreter - egal von welcher Seite - mitwirken sollen.

Ein Vertreter der Länder berichtete über Aktivitäten von Seiten der Landesministerien und derjenigen Landesjugendämter, die den Landesministerien nachgeordnet sind. Resümierend wurde festgehalten, dass alle Länder für das Thema sensibilisiert seien und Aktivitäten zur Aufarbeitung bereits begonnen hätten oder zumindest planen würden.

Ausführlich berichtet wurde über den Stand der Aufarbeitung in Schleswig-Holstein und Hessen.

Anschließend wurde von Herrn Prof. Dr. Jähnichen zum Hintergrund und zu ersten Erkenntnissen des Forschungsprojektes „Erforschung der Kirchlichen Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik Deutschland (1949-1972)“ referiert.

Im Weiteren berichteten drei ehemalige Heimkinder, ein ehemaliger Erzieher und ein Fürsprecher ehemaliger Heimkinder von ihren Erfahrungen mit der Heimerziehung in unterschiedlichen Einrichtungen und Regionen sowie von ihren Erwartungen hinsichtlich des Runden Tisches und der Aufarbeitung der damaligen Heimerziehung.

In einem weiteren Schwerpunkt referierten die Wissenschaftler Herr Prof. Dr. Schrapper, Herr Prof. Dr. Kappeler und Herr Prof. Dr. Jähnichen über ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu den Bereichen Statistik, Rechtsgrundlagen und Einweisungsprozesse in der damaligen Heimerziehung sowie über die zeitgeschichtliche Einordnung der Heimerziehungspraxis.

Im Folgenden wurde das weitere Vorgehen des Runden Tisches in Hinblick auf die zentralen Fragestellungen und Zielsetzungen thematisiert.

Für die 3. Sitzung soll eine Arbeitsgruppe zu Rechtsfragen zusammentreten, zu deren Bildung sich einige Mitglieder des Runden Tisches bereit erklärten. Diese Arbeitsgruppe werde weiterführende Rechtsfragen erörtern und vorbereiten.

Darüber hinaus werden durch die Vorsitzende und die Geschäftsstelle für die nächste Sitzung Experten für die Klärung rechtlicher Grundsatzfragen angefragt. Weiterhin werden Experten zum Datenschutz und zu der Arbeit von Beratungsstellen eingeladen.

Abschließend wurde von einem Mitglied des Runden Tisches ein Entschließungsantrag eingebracht.

Nach eingehender Beratung wurde der Antrag in folgender Fassung einstimmig angenommen:

Wir fordern die zuständigen Stellen der Länder (Datenschutzbeauftragte/Ministerien) und Kommunen auf - soweit noch nicht geschehen - die ihnen nachgeordneten Stellen (Landesjugendämter/Jugend-
ämter, Vormundschaftsämter, Archive u. a.) anzuweisen, sämtliche Akten über die ehemaligen Heimkinder/Jugendlichen sowie sämtliche aus damaliger Zeit noch vorhandenen Unterlagen über die Kinder- und Jugendheime, mit denen sie zusammengearbeitet haben, zu sichern. Dieses Anliegen gilt auch für die Justizministerien und die Vormundschaftsgerichte, ebenso für kirchliche Einrichtungen und andere freie Träger, die damals Kinder- und Jugendheime unterhielten.

Die Sitzung wurde am 03.April 2009 gegen 13 Uhr durch die Vorsitzende geschlossen.

Für das Protokoll im Entwurf gelesen und genehmigt
Holger Wendelin Dr. Antje Vollmer
Referent der Geschäftsstelle Vorsitzende

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Information für ehemalige Heimkinder!

22. April 2009

Betrifft Aktensicherung

Am Runden Tisch konnten wir einen ersten Erfolg verbuchen.

Erfreulicherweise hat der Runde Tisch unserem Antrag, die beteiligten Institutionen zur Aktensicherung aufzufordern, entsprochen und einen entsprechenden Appell ausgesprochen. Der Antrag wurde im Arbeitskreis zum Runden Tisch entwickelt und über Udo Trost dem Runden Tisch zugeleitet. Wir sind uns darüber bewusst, dass es sich bei diesem Beschluss -so erfreulich er auch ist- nur um einen ersten Schritt handelt und noch ein weiter Weg zu gehen ist, auf dem viele Widerstände überwunden werden müssen. Die Umsetzung des Beschlusses werden wir genau beobachten. Falls Sie also Hinweise darauf erhalten, dass auch nach dem Beschluss des Runden Tisches Akten nicht gesichert oder gar beiseite geschafft werden, melden Sie sich bitte unbedingt bei uns!

Der Vorstand

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Presseinformation

Berlin. Am 2./3. April trat der Runde Tisch „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“
zu seiner 2. Sitzung zusammen.


Der Runde Tisch hat einstimmig beschlossen, die zuständigen Stellen der Länder
(Datenschutzbeauftragte/Ministerien) und Kommunen aufzufordern - soweit noch
nicht geschehen - die ihnen nachgeordneten Stellen (Landesjugendämter/
Jugendämter, Vormundschaftsämter, Archive u. a.) anzuweisen, sämtliche Akten
über die ehemaligen Heimkinder/Jugendlichen sowie sämtliche aus damaliger Zeit
noch vorhandenen Unterlagen über die Kinder- und Jugendheime, mit denen sie zusammengearbeitet
haben, zu sichern. Dieses Anliegen gilt auch für die Justizministerien
und die Vormundschaftsgerichte, ebenso für kirchliche Einrichtungen und andere
freie Träger, die damals Kinder- und Jugendheime unterhielten.
Außerdem wurde beschlossen, dass anwaltliche Interessenvertreter am Runden
Tisch nicht mitwirken sollen.
Die Sitzung begann mit Berichten zu den Aktivitäten in den Ländern. Im Weiteren berichteten
Einzelpetenten, Betroffene und ein ehemaliger Erzieher.
Schließlich nahmen die Wissenschaftler Prof. Traugott Jähnichen (Universität Bochum),
Prof. Christian Schrapper (Universität Koblenz – Landau) und Prof. Manfred
Kappeler (em. TU Berlin) eine zeithistorische Einordnung der Heimerziehungspraxis
der 50er und 60er Jahre in Westdeutschland vor.
In der nächsten Sitzung am 15./16. Juni 2009 wird sich der Runde Tisch vorwiegend
mit juristische Fragen befassen.
Berlin, 07.04.2009
Pressekontakt:
Geschäftsstelle Runder Tisch „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“
Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ
- Child and Youth Welfare Organisation -
Mühlendamm 3, 10178 Berlin - Deutschland / Germany
Tel.: 0049 (0) 30 - 400 40 228
Fax: 0049 (0) 30 - 400 40 232
E-Mail: info@rundertisch-heimerziehung.de

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Evangelischer Pressedienst

3.April 2009

Keine Anwälte am Runden Tisch Heimkinder

Berlin (epd). Im Streit um die Betroffenen-Vertretung am Runden Tisch Heimkinder hat das Gremium beschlossen, keine Anwälte am Runden Tisch zuzulassen. Wenn Anwälte, die eventuell Klagen vorbereiteten, mit am Tisch säßen, werde damit die Arbeit des Gremiums unmöglich gemacht, sagte die Vorsitzende des Runden Tisches, Antje Vollmer (Grüne) am Freitag in Berlin nach Beendigung der zweiten Sitzung der Runde.

Im Vorfeld der zweitägigen Sitzung hatte es Ärger gegeben, weil der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) Vollmer vorgeworfen hatte, den Verein zu benachteiligen. Der Verein wollte einen der drei Betroffenen-Vertreter, seinen bisherigen Vorsitzenden Hans-Siegfried Wiegand, auswechseln. Zudem forderte der VEH, sich am Runden Tisch zusätzlich von einem Anwalt vertreten zu lassen.

Das Gremium beschloss in seiner jüngsten Sitzung, sich mit dem Antrag auf Personalauswechselung nicht zu befassen. Daher bleibt Wiegand einer der drei Vertreter der ehemaligen Heimkinder.

Darüber hinaus appellierte der Runde Tisch an alle Institutionen, die mit Kinder- und Jugendheimen in den 50er und 60er Jahren zu tun hatten, alle Akten zu sichern. Sowohl bei den Ländern als auch in den Kirchen komme bei dem Thema etwas in Bewegung, stellte Vollmer fest. Die nächste Sitzung des Runden Tisches soll Mitte Juni stattfinden.

Der "Runde Tisch zur Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" ist vom Bundestag eingesetzt worden und soll bis Ende 2010 das Schicksal von rund 700.000 Heimkindern in der frühen Bundesrepublik aufarbeiten. Sie waren vielfach aus nichtigen Anlässen in vorwiegend kirchliche Heime eingewiesen worden. In den Heimen wurde geschlagen, viele Kinder und Jugendliche wurden gedemütigt bis hin zu sexueller Misshandlung und zur Arbeit gezwungen. Eine Schulausbildung erhielten sie häufig nicht. Der Runde Tisch soll auch die Frage klären, ob frühere Heimkinder Anspruch auf Entschädigungen haben.


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Humanistischer Pressedienst
Runder Tisch

2 Apr 2009 - 16:56 Nr. 6732
Ehemalige Heimkinder düpiert

BERLIN. (hpd) Der Runde Tisch zur „Heimerziehung in den 50er/60er Jahren" ist jetzt hinsichtlich der Frage der möglichen Entschädigung ins Zwielicht geraten, da den Rechtsbeiständen der ehemaligen Heimkinder die Teilnahme verweigert wird. Die Heimkinder fühlen sich düpiert und an frühere Zeiten erinnert.

Zum Weiterlesen: http://hpd.de/node/6732

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Berliner Zeitung
31. März 2009

Streit am Runden Tisch

Ehemalige Heimkinder kritisieren Antje Vollmer

Katja Tichomirowa

BERLIN. Um den Runden Tisch zur Aufarbeitung des Schicksals ehemaliger Heimkinder in der Bundesrepublik gibt es erneut Streit. Der Verein ehemaliger Heimkinder, der die Opfer am Runden Tisch vertritt, wirft der Koordinatorin des Gremiums, Antje Vollmer, vor, sich auf unzulässige Weise in seine Belange einzumischen. Vollmer "schikaniere" und "benachteilige" die Betroffenen, erklärten Vertreter des Vereins gestern. Hintergrund des Streits ist die vom Verein geforderte Teilnahme eines Rechtsbeistandes am Runden Tisch, der Entschädigungsansprüche von Opfern klären soll.

Teile des Vorstandes wollen sich von dem Hamburger Rechtsanwalt Gerrit Wilmans vertreten lassen. Wilmans hatte der Berliner Zeitung erklärt, mit dem Münchner Juristen Michael Witti zusammenarbeiten zu wollen. Witti hatte sich als Anwalt von Nazi-Opfern einen Namen gemacht, seine Zulassung als Anwalt indes verloren, nachdem er im vorigen Jahr zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war, weil er Entschädigungsgelder nicht an seine Mandanten weitergeleitet hatte.

Witti drohte den Kirchen inzwischen mit Sammelklagen in den USA. Caritas und Diakonie waren die Träger von etwa 80 Prozent der damaligen Kinderheime. Wilmans warf Vollmer "Willkür" im Umgang mit den Opfern vor. Die ebenfalls am Runden Tisch vertretenen Kirchen und Ministerien säßen mit insgesamt sechs Volljuristen in dem Gremium. Wilmans will seine Teilnahme bis Donnerstag dieser Woche durchsetzen. Dann wird der Runde Tisch zum zweiten Mal zusammentreten.

Antje Vollmer hatte der Berliner Zeitung erklärt, der Runde Tisch sei "kein Tribunal". Die Frage der Entschädigungsansprüche sei nicht endgültig entschieden: "Es ist nichts ausgeschlossen, aber auch nichts garantiert." Der bisherige Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder, Hans-Siegfried Wiegand, trat inzwischen von seinem Posten zurück. (tich.)

http://www.berlinonline.de/berlinerzeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0331/politik/0063/index.html

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  Am 2. und 3. April 2009 tagt der Runde Tisch zum zweiten Mal
                    Runde Tisch - Heimerziehung in den 50er bis in die 70er Jahre 

                              Presseinformation der Geschäftsstelle
             Runder Tisch "Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren":


Nachdem sich der Runde Tisch "Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" am 17. Februar 2009 auf Beschluss des Deutschen Bundestages und unter Vorsitz von Frau Antje Vollmer, Bundestagsvizepräsidentin a. D., in Berlin konstituierte, tritt er nun am 2./3. April 2009 zur zweiten Sitzung zusammen.Unter Anderem wird in dieser nichtöffentlichen Sitzung des Runden Tisches aus der Arbeit von Infostellen einzelner Bundesländer berichtet. Darüber hinaus wird es um Erfahrungsberichte Betroffener und ehemaliger Erzieher, sowie um eine zeitgeschichtliche Einordnung der Damaligen Heimerziehung durch Vertreter der Wissenschaft gehen.

Berlin, 26. 03. 2009

Pressekontakt: Geschäftsstelle Runder Tisch "Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren"

Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ - Child and Youth Welfare Organisation - Mühlendamm 3, 10178 Berlin - Deutschland / Germany  -  Tel.: 0049 (0) 30 - 400 40 228 - Fax: 0049 (0) 30 - 400 40 232  - E-Mail: Info@rundertisch-Heimerziehung.de

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Protokoll der konstituierenden Sitzung des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren


Begrüßung und Einführung der Vorsitzenden Frau Dr. Antje Vollmer

Frau Dr. Vollmer eröffnet die Sitzung des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren.
Auf Initiative des Petitionsausschusses vom Deutschen Bundestag eingerichtet, solle der Runde Tisch die im Rahmen des parlamentarischen Verfahrens begonnene Aufarbeitung des Unrechts, das Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Kinder- und Erziehungsheimen der alten Bundesrepublik in der Zeit von 1945 bis 1970 widerfahren ist, fortführen.
Der Runde Tisch biete die notwendige Infrastruktur, Organisation und Moderation bei der Such nach Lösungswegen.
Für die Organisation des Runde Tisch wurde die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe –AGJ ausgewählt. Ein gesondertes Projekt, zusammen mit der Geschäftsführung des R.T. wurde der Aufbau einer Beratungs- und Unterstützungsstelle („Infostelle“) beauftragt.
Dieses Projekt läuft nun an.

Der Runde Tisch tagt alle 2 Monate, bis Ende nächsten Jahres. Anfang des nächsten Jahres soll ein Zwischenbericht vorliegen, Ende 2010 der Abschlussbericht.

Der Runde Tisch wird nicht nur die Erfahrungen der Betroffenen aufarbeiten und die Fälle auch zeitgeschichtlich einordnen, auch rechtliche Verantwortlichkeiten sollen geklärt werden.
Die Expertenrunde soll diesen Zweck insbesondere durch die nachfolgenden Tätigkeiten verwirklichen:

• Aufarbeitung der Heimerziehung unter den damaligen rechtlichen, pädagogischen und sozialen Bedingungen

• Prüfung von Hinweisen auf Heimkindern zugefügtes Unrecht

• Aufarbeitung der gesellschaftlichen , wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen der Heimerziehungspraxis

• Förderung der Kommunikation zwischen den Betroffenen und den „Nachfolge“ Organisationen der damaligen   Heimträger sowie herstellen von Kontakten zur individuellen Bearbeitung von Heimbiographien

• Information ehemaliger Heimkinder (Infostelle)

• bei Bedarf Vermittlung von psychologischen, sozialen oder seelsorgerischen Betratungsangeboten der beteiligten Institutionen und Organisationen an ehem. Heimkinder (Infostelle)

• Entwicklung von Kriterien zur Bewertung der Forderungen ehem. Heimkinder und Aufzeigen möglicher Lösungen
• Presse und Öffentlichkeitsarbeit.

Frau Dr. Vollmer plädiert für ergebnisoffene Gespräche und betont, dass der Runden Tisch kein „Tribunal“ sei.
Ob es Entschädigungszahlungen geben werde, sei noch unklar, es werde alles geprüft.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt könne jedoch nichts garantiert werden.
Frau Dr. Vollmer weißt darauf hin, dass nach Prüfung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages bislang keine geltenden gesetzlichen Regelungen eine Entschädigung rechtfertige.
Ziel des Runden Tisches sei es eine Lösung zu finden.

Frau Fleth, Frau Djurovic und Herr Dr. Wiegand erzählen kurz aus ihrer Kinder- und Jugendzeit im Heim. Sie sprechen vom Zwang zur Arbeit ohne Sozialversicherung, Misshandlungen und Missbrauch, Demütigungen und der Menschenverachtung die ihnen entgegen gebracht wurde.
Sie schildern nachhaltige Schädigungen durch die erfahrene körperliche und seelische Grausamkeiten. Sie fordern gesellschaftliche Anerkennung und Aufklärung ihrer Schicksale und eine materielle Entschädigung als Wiedergutmachung für das erlittene Unrecht und die geleistete Arbeit.
Alle beteiligten geben ihre Statements ab. Sie signalisieren ein großes Interesse an der Aufklärung und Aufarbeitung der Thematik.
Alle sind sich einig, dass Akten aus der damaligen Zeit zur Aufarbeitung zur Verfügung gestellt werden. Die beteiligten Organisationen und Einrichtungen, staatlicher und kirchlicher
Trägerschaft seien dazu aufgerufen, ehemaligen Heimkindern bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte jede nur mögliche Unterstützung zu gewähren, dazu gehöre auch insbesondere, soweit noch vorhanden, ihnen die Akten zur Einsicht zu überlassen.
Vertreter/innen der Heime sollen den Betroffenen als Gesprächspartner/innen zur Verfügung stehen.

Die Presseresonanz zum Auftakt des Runden Tisches war sehr groß.
Für die Zukunft soll ein Presse und Öffentlichkeitskonzept erarbeitet werden.

Die AGJ – Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendhilfe, informiert über ihre Zusammensetzung und ihre Zielsetzungen und Aufgabenschwerpunkte. Sie ist das Forum und Netzwerk bundeszentraler Zusammenschlüsse, Organisationen und Institutionen der freien und öffentlichen Jugendhilfe in Deutschland.

Herr Dr. Wiegand informiert über die Einrichtung einer Arbeitsgruppe im Verein ehemaliger Heimkinder, die sich kontinuierlich mit Fragen des Runden Tisches befassen wolle.

Da den Petenten nicht entsprochen werden konnte wurde ein Runder Tisch eingerichtet, das ist einmalig in der Geschichte des Petitionsausschusses.

Mit Blick auf die Arbeit des Runden Tisches dürfe es nicht nur darum gehen, lediglich zu bestätigen, was der Petitionsausschuss bereits beschlossen habe.

In Zukunft wird auch ein Wissenschaftler, eventuell auch zwei, am Runden Tisch teilnehmen.

Des weiteren wird eine Termin- und Themenplanung vereinbart.

Es war ein guter Auftakt des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren.

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domradio.de
17.2.2009
„Uneingeschränktes Mitgefühl“

Bischofskonferenz bedauert Leid ehemaliger Heimkinder

Die Deutsche Bischofskonferenz hat den Beginn des Runden Tischs zum Schicksal ehemaliger Heimkinder begrüßt und ihr Bedauern darüber bekundet, dass Kindern und Jugendlichen auch in katholischen Heimen Unrecht und schweres Leid widerfahren seien. „Ihnen gilt unser uneingeschränktes Mitgefühl“, erklärte der Vertreter der Bischofskonferenz in dem Gremium, Johannes Stücker-Brüning, am Dienstag in Berlin.

Die katholische Kirche stehe in der Verantwortung für die Menschen, die ihren Einrichtungen für eine gewisse Zeit anvertraut worden seien, betonte der Geschäftsführer der Caritas-Kommission der Bischofskonferenz. Er unterstrich den Willen der Kirche, die Geschichte der Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik aufzuklären. Der Runde Tisch könne zu einer „kleinen Wahrheitskommission“ werden.

Zum Auftakt des Gremiums verwies Stücker-Brüning zugleich darauf, dass nach bisherigen Erkenntnissen in katholischen Heimen „Gewalt nicht grundsätzlich eingesetzt“ wurde. Das Ausmaß von Misshandlungen und Zwangsarbeit sei aber noch nicht genau erforscht, ebenso wie die Frage, wieweit die Erziehungskonzepte der Heime über das hinausgegangen seien, was in der Nachkriegszeit üblich war.

Stücker-Brüning betonte, die Kirche wolle den Betroffenen Unterstützung anbieten. „Die kirchlichen Organisationen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe haben seit dem ersten Bekanntwerden der Vorwürfe ihre Mitgliedseinrichtungen dazu aufgerufen, ehemaligen Heimkindern in der Aufarbeitung ihrer jeweiligen Lebensgeschichte jede nur mögliche Unterstützung zu leisten. Dazu gehört insbesondere, dass ihnen - soweit das Material heute noch vorhanden ist - ihre Akten zur Einsicht überlassen werden.“

Die Bischofskonferenz verwies darauf, dass die katholische Kirche die Aufklärungsbemühungen des Petitionsausschusses von Anfang an unterstützt und auch eigene Forschungsprojekte in Auftrag gegeben habe. Verschiedene Einrichtungen stünden darüber hinaus schon länger im Kontakt mit ehemaligen Heimkindern. „Sie wurden darin bestärkt, die Verbindungen zwischen und zu den ehemaligen Heimbewohnerinnen und -bewohnern zu fördern.“ Die Bischofskonferenz sei niemals selber Träger von Heimen gewesen.

(kna)

                                                                                + + + + + +

Deutschlandfunk

dradio.de

17.02.2009

Interview

Vollmer: Ehemalige Heimkinder leiden oft unter einem Gefühl von unglaublicher Ohnmacht

Antje Vollmer im Gespräch mit Friedbert Meurer

Die Grünen-Politikerin Antje Vollmer, Vorsitzende des Runden Tisches zur Aufarbeitung des Schicksals von Heimkindern in den 50er und 60er Jahren, hält eine Entschädigung der Betroffenen für möglich. Allerdings müssten dafür neue gesetzliche Regelungen getroffen werde. Vollmer zeigte sich von den Einzelschicksalen erschüttert. In der unmittelbaren Nachkriegszeit habe eine erstaunliche Gefühllosigkeit gegenüber dem Schicksal gerade von Kindern geherrscht.

Friedbert Meurer: Vor gut vier Jahren haben im Taunus bei Wiesbaden ehemalige Heimkinder einen eigenen Verein gegründet. Es ist kein üblicher Verein, in dem man sich jährlich treffen will, um an selige alte Zeiten zu erinnern. Noch Jahrzehnte nach ihrem Heimaufenthalt leiden die einstigen Zöglinge an den Folgen ihrer Misshandlungen. Wer im Internet auf der Homepage des Vereins ehemaliger Heimkinder einmal ein bisschen nachliest, der sieht dort Erfahrungsberichte, die einem den Atem rauben. Das war im demokratischen Teil Deutschlands möglich bis Anfang der 70er Jahre.
Der Runde Tisch zum Schicksal der Heimkinder, der heute seine Aufgabe aufnimmt, wird geleitet von Antje Vollmer, der ehemaligen Bundestagsvizepräsidentin (Bündnis 90/Die Grünen). Guten Morgen, Frau Vollmer!


Antje Vollmer: Guten Morgen.

Meurer: Als Sie sich vorbereitet haben für diesen Runden Tisch, welche Schicksale haben Sie denn besonders berührt oder erschüttert?

Vollmer: Eigentlich vom ersten Tag an, wo der Petitionsausschuss mich gefragt hatte - und zwar einstimmig -, dass ich das leiten sollte, sind bei mir schon sehr viele Fälle von früheren Heimzöglingen eingetroffen, die dann ihr Schicksal erzählt haben, und das ist ganz, ganz unterschiedlich, aber meistens getragen von einem Gefühl von unglaublicher Ohnmacht und Ausgeliefertsein, auch der Frage, warum haben meine Eltern mich manchmal freiwillig da reingeschickt, und dem Gefühl, dass man darüber das ganze Leben lang nicht reden durfte. Das war, glaube ich, ganz besonders. Man hat das als ein Stigma verstanden.

Meurer: Inwiefern wurden Sie da reingeschickt? Was meinen Sie damit?

Vollmer: Wenn man in die Zeit damals reintaucht, das ist ja eine äußerst harte Zeit gewesen gegenüber dem Schicksal von einzelnen und wie mir scheint auch insbesondere von den Schwachen und da besonders den Kindern, und nicht wenige dieser Heimerziehungen sind mit Zustimmung der Eltern passiert. Es gab dann auch Vormundschaftsgerichte, es gab freie Wohlfahrtspflege, die das angeregt haben, aber in nicht wenigen Fällen haben die Eltern zugestimmt, weil sie überfordert waren, weil sie anderes in ihrem Leben vorhatten. Man muss sehen, es war die unmittelbare Nachkriegszeit und da gab es eine erstaunliche Gefühllosigkeit gegenüber dem Schicksal gerade von Kindern.

Meurer: Nun hat es ja gerade in den 60er Jahren, frühen 70er Jahren eine sogenannte Heimkampagne gegeben. Das war ein wichtiges Thema für die 68er und für die APO. Haben Sie damals mitbekommen, dass es eine solche Quälerei und Demütigung in den Heimen gibt?

Vollmer: Ja. Man hat ja viel über 68 geschimpft, gerade im letzten Jahr, aber ich glaube, das bleibt ein Ruhmesblatt dieser 68er-Bewegung. Die hieß ja "Antiautoritäre Bewegung" und da war Erziehung, und zwar in der ganzen Breite, in den Schulen, in den Elternhäusern, aber eben auch in den Heimen tatsächlich ein großes Thema. Und zwar ging es damals noch nicht so sehr um die Opferfrage, sondern es ging einfach um Freiheit, sich dieses alles nicht mehr so gefallen zu lassen, und das war ein Teil dieses sehr harten Generationenkonfliktes.

Meurer: Fast alle Heime waren damals in kirchlicher Trägerschaft. Warum ist es gerade unter der Obhut der Kirchen zu solchen Übergriffen gekommen?

Vollmer: Das ist, finde ich, auch persönlich besonders tragisch. Es waren nicht alle Heime in kirchlicher Hand, aber sagen wir mal 75 bis 80 Prozent doch, und da geht die Geschichte lange zurück. Eigentlich ist es eine Frage des Pietismus gewesen der Inneren Mission, Wichern, Bodelschwingh und so weiter, die gesagt haben, wir wollen uns um die Schwächsten kümmern, und dann entstehen diese Heime und sie entstehen aber nicht im Geiste des Evangeliums als Orte der Freiheit, sondern als Orte, wo sich das gesamte rigide Law and Order-Denken teilweise auswirkt. Wir sind ja nun jetzt erst am Anfang, um das alles zu überprüfen. Es hat sicher auch andere Heime gegeben, aber die Vorstellung, dass man in einem geschlossenen Raum unbeobachtet ist und dass übrigens auch häufig völlig überforderte Erzieher da waren, die ja überhaupt nicht ausgebildet wurden, da muss sich die Kirche schon besonders manche Fragen stellen. Warum hat sie dann auch ihren Erziehern nicht geholfen? Warum hat sie nicht gesagt, auf welches Ideal von Freiheit Kinder zu erziehen sind in einer demokratischen Gesellschaft? Das war ja frühe Adenauer-Zeit. Es gab solche Heime auch in der DDR. Da sagt man heute, das war ein Unrechtsstaat. Aber dass so viel Unrechtserfahrung in einer beginnenden demokratischen Gesellschaft war, da muss man viele Fragen, natürlich auch alle die, die daran freiwillig mitgewirkt haben.

Meurer: Wie wollen Sie vor allen Dingen jetzt mit dem Runden Tisch den Opfern von damals und denen, die das Martyrium überlebt haben, helfen?

Vollmer: Ein Runder Tisch ist ja kein Tribunal. Es geht nicht um Anklage, Verteidigung und dann Gerichtsurteil, sondern wir haben gerade deswegen alle, die damals mitgewirkt haben, also auch die Jugendämter, auch die Richter, auch die Vormundschaftsgerichte, an einem Tisch, die Kirchen, die Diakonie, die Caritas, und wir hoffen, dass alle sehr genau hinhören, sich sehr genau einen Begriff über die damalige Zeit machen und sich dann selber auch verpflichten, an einer Lösung zu arbeiten.

Meurer: Für die Heimkinder aber ganz wichtig ist auch die Frage der Entschädigung. Wie stehen ihre Chancen dafür?

Vollmer: Da haben wir uns erst mal auf die Formel geeinigt, nichts ist ausgeschlossen, auch keine Entschädigung, aber nichts ist zum jetzigen Zeitpunkt garantiert. Ich glaube, je tiefer wir verstehen, was damals passiert ist, umso mehr begreifen wir, dass es eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft ist, auch denen, die sich heute für ihr ganzes Leben davon geschädigt fühlen, bei zustehen mit einer ganzen Palette von Möglichkeiten.

Meurer: Von was wird es denn abhängen, ob es eine materielle Entschädigung, eine Rente oder dergleichen gibt?

Vollmer: Nicht zuletzt auch von gesetzlichen Regelungen. Der Petitionsausschuss hat sich ja schon drei Jahre mit dem Thema beschäftigt und festgestellt, dass keine der heute geltenden gesetzlichen Regelungen in der Lage wäre, da eine Entschädigung oder so etwas zu bilden, noch nicht mal die Opferentschädigungsrente. Also müssen wir auch da gucken, wie man im Konsens mit allen - wir haben ja auch den Bund, wir haben die Länder, wir haben die Kommunen, wir haben die Wohlfahrtsverbände dabei - vielleicht eine Lösung findet, die neu ist.

Meurer: Die Evangelische Kirche hat ja schon gesagt, sie kann sich eine Entschädigung vorstellen. Ist das auch von der katholischen Seite denkbar?

Vollmer: Die Evangelische Kirche hat sich auch noch nicht verpflichtet. Da müssen wir genau sein. Ich denke, das wichtigste ist, dass alle ganz offen reingehen und dass keiner sich von Anfang an in einer Blockadesituation befindet. Darum habe ich geworben und dafür versuche ich, auch Fairness nach allen Seiten zu garantieren. Zum Beispiel geht es mir auch überhaupt nicht darum, jetzt eine neue Antikirchenkampagne zu machen. Die Kirchen waren die, die sich als erste um dieses Problem gekümmert haben. Deswegen ist es auch zahlenmäßig bei ihnen so relevant geworden. Sie werden sich Fragen nach innen stellen müssen, nämlich was hat das mit dem Evangelium zu tun. Aber man darf nun auch nicht sie alleine für etwas verantwortlich machen, was letztendlich die ganze Gesellschaft damals so beschlossen hat.

Meurer: Das war der Zeitgeist damals gewesen. Kann das umgekehrt dann bedeuten, dass man eben sagt, wieso sollen Heimzöglinge entschädigt werden? Geprügelt wurde damals auch an den Schulen beispielsweise.

Vollmer: Jedenfalls an den Zeitgeist kommen wir heran und viele der ehemaligen Nazis waren nicht in die Heime gegangen, sondern in die Schulen. Diese Idee, mit Jugendlichen, zumal solchen, die ja selber aus unruhigen Zeiten kamen, mit aller brutalen Härte umzugehen, die ist tatsächlich ein ziemlich weitgehender gesellschaftlicher Konsens gewesen. Es erschüttert einen heute teilweise, wenn man das sieht. Das miteinander zu verknüpfen, also das besondere Schicksal von einzelnen und die mentale Haltung einer ganzen Gesellschaft und Generation damals, das ist eine der schwierigen Aufgaben. Deswegen brauchen wir auch ein bisschen Zeit.

Meurer: Die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer leitet den Runden Tisch ab heute zum Schicksal der Heimkinder. Frau Vollmer, schönen Dank und auf Wiederhören!

Vollmer: Auf Wiederhören!

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      DEUTSCHER BUNDESTAG

17.02.2009: Runder Tisch Heimkinder

Erste Sitzung des Runden Tisches "Heimkinder"

In deutschen Kinderheimen erlittenes Unrecht soll aufgearbeitet werden

Unter Leitung der früheren Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer ist am 17. Februar 2009 der „Runde Tisch Heimkinder“ zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten. Der Bundestag hatte die Einrichtung eines Runden Tisches im November 2008 auf Empfehlung des Petitionsausschusses beschlossen. Ziel ist es, das Unrecht aufzuarbeiten, das Kinder in den fünfziger und sechziger Jahren in deutschen Kinderheimen erlitten hatten. Bis 2010 soll der Runde Tisch einen Abschlussbericht vorlegen.

Der Runde Tisch geht zurück auf eine im Bundestag eingereichte Petition, in der die Situation von Kindern und Jugendlichen in den Jahren 1949 bis 1975 in verschiedenen öffentlichen Erziehungsheimen der Bundesrepublik kritisiert wurde.

Darin hieß es, dass viele der in den Heimen untergebrachten 14- bis 21-jährigen Fürsorgezöglinge unter entwürdigenden Bestrafungen, willkürlichem Einsperren und vollständiger Entmündigung durch die Erzieher gelitten hätten. Überwiegend hätten sie in den Heimen ohne Bezahlung arbeiten müssen. Auch würde die Tätigkeiten mit zumeist gewerblichem Charakter nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt, sodass geringe Renten gezahlt würden oder zu erwarten sein.

"Zugefügtes Unrecht prüfen"

Der Runde Tisch soll die Hinweise auf zugefügtes Unrecht prüfen und auch die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen der Heimerziehungspraxis aufarbeiten. Er soll die Kommunikation zwischen den Betroffenen fördern, ehemalige Heimkinder informieren, psychologische, soziale oder seelsorgerische Beratungsangebote vermitteln, Kriterien für die Bewertung von Forderungen ehemaliger Heimkinder entwickeln.

Am Runden Tisch nehmen neben Vertretern ehemaliger Heimkinder auch Vertreter der Heime, der Bundes- und Landesministerien, der Kommunen, der Vormundschafts- und Familiengerichte, der Kinder- und Jugendhilfeverbände, der Kirchen, der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohlfahrtspflege sowie Vertreter der Wirtschaft und Wissenschaft Teil.

In der Petition war verlangt worden, Entschädigungsleistungen für die Betroffenen zur Verfügung zu stellen. Der Bundestag hatte festgestellt, dass ehemalige Heimkinder Traumatisierungen erlitten haben könnten. Er hatte das „erlittene Unrecht und Leid“ mit seinem Beschluss vom November 2008 anerkennt und „zutiefst bedauert“.

Weitere Informationen

 AD HOC NEWS

14.02.2009 | 06:05 Uhr

Lammert begrüßt «Runden Tisch» im Bundestag zu Heimkindern

Berlin (ddp) Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat die erstmalige Einsetzung eines «Runden Tisches» im Bundestag für ehemalige minderjährige Heiminsassen begrüßt.

Berlin (ddp). Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat die erstmalige Einsetzung eines «Runden Tisches» im Bundestag für ehemalige minderjährige Heiminsassen begrüßt. «Das Schicksal der Heimkinder ist bedrückend und ein viel zu lange verdrängtes Thema«, sagte Lammert am Samstag der Nachrichtenagentur ddp in Berlin.

Es sei sehr positiv, »dass der Runde Tisch für Heimkinder nach einem doch recht ungewöhnlichem politischen Verfahren nun die weitere Aufarbeitung des geschehenen Unrechts übernimmt«, sagte der Bundestagspräsident weiter. »Für diese schwierige Aufgabe wird große Hartnäckigkeit erforderlich sein; und für die längst erwachsenen Opfer ist dies ein Signal der Hoffnung', betonte Lammert.

Die ehemalige stellvertretende Bundestagspräsidentin Antje Vollmer (Grüne) wird dem Tisch, der Opfer, Heimträger, Vertreter der Kirchen, Bund, Länder und Wissenschaftler zusammenführt, vorstehen. Erstmals kommt die Runde am Dienstag in Berlin zusammen.

«Wir haben das ehrgeizige Ziel, zu einem Konsens zu kommen. Man werde «ergebnisoffen» diskutieren, sagte Vollmer der Nachrichtenagentur ddp. Sie erwarte aber schwierige Verhandlungen. Umstritten ist insbesondere die Frage nach einer finanziellen Entschädigung für die ehemaligen Heiminsassen, die körperlichen und seelischen Peinigungen ausgesetzt waren.

Die Einsetzung des Runden Tisches zur Aufarbeitung des Unrechts in deutschen Kinderheimen der frühen Bundesrepublik war im November vom Petitionsausschuss des Bundestags beschlossen worden. Bis Ende 2010 soll der Runde Tisch einen Abschlussbericht vorlegen. (ddp/kem/stu)

Url zum Artikel: http://www.ad-hoc-news.de/lammert-begruesst-runden-tisch-im-bundestag-zu--/de/Politik/20047976

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Grußwort an die Heimkinder

Mit dem Runden Tisch über das Schicksal der ehemaligen Heimkinder in den 50erund 60er Jahren haben wir uns viel vorgenommen. Viele müssen an diesem Gespräch am Runden Tisch teilnehmen, wenn es zu einem guten Ergebnis kommen soll. Was wir vorhaben, ist so etwas wie eine kleine Wahrheitskommission, dafür braucht es Offenheit von allen Seiten, aber auch die Bereitschaft, erfahrenes Unrecht endlich zur Kenntnis zu nehmen. In vier Schritten wird diese Wahrheitskommission arbeiten:

1.  wird sie dem Schicksal der ehemaligen Heimkinder sehr genau und ausführlich zuhören müssen.

2. muss sie diese bitteren Erfahrungen einordnen in die damalige Zeit. Dewegen brauchen wir auch das Studium von Quellen und die Hilfe von Wissenschaftlern.

3. müssen wir gemeinsam zu einer Bewertung des erfahrenen Unrechts kommen und

4. müssen wir am Ende Lösungsvorschläge erarbeiten, die auch heute noch möglich sind. 

Ich habe die schwere aber wichtige Aufgabe übertragen bekommen, den Runden Tisch zu moderieren. Ich werde nach Kräften versuchen, dass wir im vorgesehenen Zeitraum von zwei Jahren zu einem Ergebnis kommen, soweit das menschenmöglich ist.

Antje Vollmer  Dezember 2008

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Bundespressekonferenz

12.1.2009, 11.30 Uhr

Protokollauszug

FRAGE: Ich habe eine Frage an das Familienministerium. Meine Frage betrifft den einzurichtenden runden Tisch zur Aufarbeitung des Unrechts in der Heimkinderziehung der frühen Bundesrepublik. Dazu ist im Dezember durch einstimmigen Bundestagsbeschluss ein sehr langes, ungewöhnliches Petitionsverfahren abgeschlossen worden, das mit der Empfehlung endet, diesen runden Tisch einzurichten. Es sind dabei sehr konkrete Vorschläge des Petitionsausschusses dargestellt worden.

Das Ministerium von Frau von der Leyen weicht nun von diesen Vorstellungen ab. Ich wüsste gerne in zwei Punkten, warum. Die Trägerschaft und Organisation wird von den dafür vorgesehenen Organisationen auf eine andere übertragen, die bisher noch wenig an diesem Verfahren beteiligt war. Zum einen interessiert mich die Begründung dafür. Zum anderen habe ich natürlich die Frage: Wird das nicht mit Zeitverzögerungen verbunden sein, wenn die eingearbeiteten und bisher beteiligten Verbände nun abgehängt werden? Zweitens habe ich die Frage, wie das Ministerium auf die Kritik des Vereins ehemaliger Heimkinder in diesem Zusammenhang reagiert. Drittens möchte ich wissen, ob, wie gesagt wird ¬ ich weiß es nicht wirklich¬, die Forderung nach möglicher Wiedergutmachung oder anderer Formen der Genugtuung, die in der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses ergebnisoffen vorgesehen ist, vom Ministerium in diesem Verfahren von vornherein ausgeschlossen wird.

KINERT: Sie haben vollkommen Recht: Der Bundestag hat Anfang Dezember ¬es war genau am 4. die Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses zur Aufarbeitung der Heimerziehung verabschiedet. Darin werden die Bundesregierung und die betroffenen Landesparlamente aufgefordert, einen runden Tisch einzurichten; das ist vollkommen richtig. Wir sind nach dem Beschluss unverzüglich tätig geworden und haben dem damaligen Vorsitzenden der Jugend- und Familienministerkonferenz ¬ das war Herr Zöllner zu dieser Zeit ¬ den Vorschlag gemacht, ganz rasch einen runden Tisch einzurichten. In diesem Schreiben hat die Ministerin ausdrücklich betont, dass es wünschenswert wäre, wenn dieser runde Tisch noch im Januar 2009 tagen würde. Das ist erst einmal Fakt. Das kann auch noch passieren, auch wenn der runde Tisch bisher noch nicht zusammengefunden hat. Entscheidend ist, dass wir noch auf Antworten aus den Ländern warten. Verschiedene Länder haben sich zu den Vorschlägen noch nicht zurückgemeldet. So lange kann der runde Tisch noch gar nicht tagen.

Der runde Tisch ist ein erstes Dialogforum, um eben zu schauen, wie die weiteren Schritte aussehen. Es ist nicht so, dass das Familienministerium von vornherein ausschließt, dass dort bestimmte Ergebnisse zustande kommen können. Es ist aber auch so, dass weder in der Empfehlung des Petitionsausschusses noch im Beschluss des Bundestages die Einrichtung eines Entschädigungsfonds explizit genannt wird. Insofern kann ich Ihnen an dieser Stelle nur sagen: Wir sind optimistisch, dass wir im Januar die erste Sitzung des runden Tisches erleben werden. Es ist der Wunsch des Petitions- wie des Fachausschusses wie auch des Familienministeriums, dass der Deutsche Verein die Organisation des runden Tisches übernimmt. Wir erwarten die Rückmeldung der Länder; das habe ich gerade schon gesagt. Insofern ist das aus unserer Sicht ein laufendes Verfahren, das ich hier nicht weiter einordnen oder kommentieren werde, so lange die Entscheidungen der Länder, die ausstehen, noch nicht vorliegen.

ZUSATZFRAGE: Sie haben jetzt nicht die konkrete Frage beantwortet, warum die Organisation und Geschäftsführung, wie man sagen könnte ¬ formell korrekt wäre "Organisation und Koordination des runden Tisches" ¬, nicht bei AFET und dem Deutschen Institut für Jugend und Familie liegen soll, sondern bei einem Verband, der bisher im Verfahren eigentlich noch keine Rolle gespielt hat und den das Ministerium jetzt dafür zuständig erklärt hat. Warum? Das sind eingearbeitete Verbände, die beteiligt waren. Der neue überrascht alle, die bisher irgendetwas mit diesem Verfahren zu tun haben.

KINERT: Ich habe die Frage sehr wohl beantwortet. Ich habe gesagt, dass es der Wunsch aller Beteiligten ist, dass der Deutsche Verein dort die Organisation übernimmt. Das ist aber insgesamt ein laufendes Verfahren, und einzelne Schritte daraus kommentieren wir nicht.

ZUSATZFRAGE: Es tut mir leid; der Petitionsausschuss hat klar formuliert, dass AFET und das Deutsche Institut für Jugend und Familie diese Organisationsrolle übernehmen wollen. Wenn das Ministerium sagt "Nicht diese beiden", dann muss es ja Gründe geben. Wenn es sagt "Das andere Institut soll das übernehmen", dann muss es ja eine Überlegung geben, die dahinter steht. Das hat mit dem laufenden Verfahren gegenüber den Ländern gar nichts zu tun.

KINERT: Insgesamt ist dieser ganze Prozess ¬ Einrichtung des runden Tisches, erste Tagung und die weiteren Schritte in Bezug auf die Aufarbeitung der Situation der Heimkinder ¬ aus unserer Sicht ein laufendes Verfahren, und deswegen kommentieren wir einzelne Schritte nicht.

ZUSATZFRAGE: Also gut, Sie vollziehen öffentlich eine Veränderung, die Sie aber nicht erklären. Dann darf ich noch einmal meine konkrete Frage zum Entschädigungspunkt wiederholen: Punkt 7 der Petitionsempfehlung sieht durchaus vor, dass mögliche Forderungen der Heimkinder an diesem runden Tisch ergebnisoffen diskutiert werden. Das muss nicht unbedingt ein Entschädigungsfonds sein, aber es kann durchaus eine andere Form der Wiedergutmachung ¬ Rentenanerkennung oder sonst etwas ¬ sein. Verstehen die Heimkinder den Brief der Ministerin richtig, wenn sie Entschädigungsforderungen jetzt ganz ausgeschlossen sehen, oder sagt das Ministerium "Andere Formen als ein Entschädigungsfonds sind durchaus in diesem Verfahren noch zu diskutieren und möglich"?

KINERT: Der runde Tisch ist ein erstes Forum, bei dem darüber gesprochen wird, was die nächsten Schritte sein werden. Es geht nicht darum, von vornherein bestimmte Dinge auszuschließen. Allerdings ist das der Begriff "Entschädigungsfonds, welcher eingerichtet werden soll" so in dem Beschluss des Petitionsausschusses nicht enthalten. Insofern kann ich nur noch einmal wiederholen: Der runde Tisch wird sich mit den weiteren Schritten befassen und weitere Entscheidungen treffen, aber ich kann hier nicht ausschließen, dass bestimmte Dinge entschieden und bestimmte Dinge nicht entschieden werden, sondern der runde Tisch ist ein erster Schritt.

FRAGE: Das wären auch meine Fragen gewesen. Ich möchte sie durch zwei ergänzen: Ist das Ministerium im Gespräch mit Frau Vollmer, der Vorsitzenden des runden Tisches? Zur zweiten Frage: Der Vorsitzende des Vereins der Heimkinder sagt, sofern die Betroffenen tatsächlich nur mit zwei Vertretern beteiligt werden sollten, werde man sich überlegen, ob man an diesem Verfahren überhaupt teilnehmen werde. Ist Ihnen das bekannt?

KINERT: Wir sind im Gespräch mit Frau Vollmer, die den Vorsitz oder die Moderation des runden Tisches übernehmen soll; das ist richtig. Über die Zusammensetzung des runden Tisches ist ebenfalls noch nicht entschieden worden. Auch wenn Sie das jetzt nicht hören mögen: Auch das ist aus unserer Sicht ein laufendes Verfahren, und insofern hat es gar keinen Sinn, über "Was passiert, wenn?" zu spekulieren.

ZUSATZFRAGE: Ist Frau Vollmer denn damit einverstanden, dass der Deutsche Verein die Organisation übernimmt?

KINERT: Wir stehen mit Frau Vollmer im Gespräch. Ein Gespräch findet sogar heute Vormittag statt, wenn ich das richtig im Kopf habe. Wie Frau Vollmer dazu steht, kann ich an dieser Stelle nicht sagen. Ich spreche für das Ministerium; ich kann nicht für Frau Vollmer sprechen.

FRAGE: Herr Kinert, es gibt ein Schreiben von Frau von der Leyen, in dem sie ausdrücklich sagt, ein solcher Fonds werde nicht angestrebt. Sie sagen nun, es gebe keine Maßnahme, die von vornherein ausgeschlossen ist. Wie verträgt es sich denn, dass ein Fonds nicht angestrebt wird und Sie sagen, es sei nichts ausgeschlossen?

KINERT: Es gibt ja Möglichkeiten, möglicherweise außerhalb eines Fonds zu einer Einigung zu kommen, die alle Beteiligten zufriedenstellt. Aber den Auftrag für einen Entschädigungsfonds, welcher eingerichtet werden soll, werden Sie in der Beschlussempfehlung nicht finden. Der runde Tisch hat den Zweck, tatsächlich die nächsten Schritte festzulegen. Es geht jetzt erst einmal darum, dass der runde Tisch zum ersten Mal tagt, damit es keine weiteren Verzögerungen gibt.

ZUSATZFRAGE: Wenn ich noch einmal nachhaken darf: Was spricht denn, auch wenn das nicht im Bericht des Petitionsausschusses steht, gegen einen solchen Fonds? Wenn, wie Sie sagen, nichts ausgeschlossen ist, warum schließt die Ministerin denn dann einen Fonds aus?

KINERT: Ich kann mich da nur noch einmal wiederholen. Ich werde hier nicht Dinge vorwegnehmen, bevor nicht der runde Tisch zum ersten Mal getagt hat und bevor nicht die Experten, die dort am runden Tisch sitzen werden, die weiteren Schritte besprochen haben. Insofern können wir uns hier über inhaltliche Dinge heute nicht verständigen.

FRAGE: Die Frage nach der Anerkennung von Rentenzeiten war nicht beantwortet worden. Schließt die Ministerin auch das aus, oder ist das aus ihrer Sicht ein Punkt, über den man reden kann? Der wird auch in dem Beschluss des Petitionsausschusses erwähnt.

Zweite Frage, die ich habe: Was wissen Sie über die Reaktion der Kirchen, die Bereitschaft der Kirchen, daran teilzunehmen, vor allen Dingen der Katholischen Kirche?

KINERT: Zunächst zur zweiten Frage: Ich bin nicht darüber unterrichtet, wie sich die Kirchen zu dieser Situation verhalten, und könnte für die Kirchen auch nicht sprechen.

Was Ihre erste Frage angeht: Ich kann an dieser Stelle keine inhaltlichen Angaben machen, wie das Ergebnis der Gespräche des runden Tisches aussehen wird. Es ist nämlich der Sinn des runden Tisches, sich zusammenzusetzen und die weiteren Schritte und mögliche Punkte, die sich aus diesen Gesprächen ergeben, weiter zu diskutieren. Aber es ergibt keinen Sinn und wird auch nicht passieren, dass ich hier inhaltliche Vorgaben vorgebe oder ausschließe.

ZUSATZFRAGE: Gibt es Bemühungen der Ministerin, die Kirchen ¬ insbesondere die Katholische Kirche ¬ zur Teilnahme zu bewegen?

KINERT: Wir sind mit allen relevanten Gruppen im Gespräch, die zur Aufarbeitung der Vorkommnisse rund um die Heimkinder beitragen können und die einen sinnvollen Beitrag zu diesem runden Tisch leisten können. Aber, wie gesagt, über die genaue Zusammensetzung ist noch nicht entschieden.

FRAGE: Wenn die Frage der Entschädigung ¬ abgesehen davon, dass es kein Fonds sein soll ¬ also ergebnisoffen ist, können Sie respektive kann die Ministerin nachvollziehen, dass die betroffenen Heimkinder, die jahrelang nicht über das erlittene Unrecht reden konnten, das von dieser Gesellschaft nicht anerkannt wurde und das eigentlich erst seit dem 4. September 2008 durch die Übernahme des Bundestagesbeschlusses einmal ausgesprochen worden ist, es als wirklich eklatanten Mangel an Fingerspitzengefühl empfinden, wenn die erste Einlassung des Familienministeriums zu diesem Thema ausdrücklich einen Entschädigungsfonds ausschließt?

KINERT: Selbstverständlich ist der Ministerin die Situation der Heimkinder bekannt, und Sie sehen auch an ihrer schnellen Reaktion, dass wir sehr gewillt sind, den runden Tisch einzusetzen. Natürlich ist der Ministerin klar, dass das ein sehr sensibles Thema ist. Aber jetzt über einzelne Punkte des runden Tisches und Ergebnisse desselben zu diskutieren, ergibt keinen Sinn, weil die Gespräche eben noch nicht stattgefunden haben.

ZUSATZFRAGE: Die Überweisung hat sich damals nicht nur an das Innenministerium gerichtet, sondern auch an das Arbeitsministerium und, wann immer das Justizministerium angesprochen ist, auch an das Justizministerium. An beide habe ich also die Frage, ob sie in irgendeiner Form mit dem Verfahren betraut, darüber informiert und damit bekannt gemacht worden sind.

SCHMIERER: Ich kann für uns nur sagen: Ich kann Ihnen diese Frage, ob das Justizministerium damit betraut ist, im Moment nicht beantworten. Mir ist das nicht bekannt.

SCHWARZ: Ich schließe mich dem an.

FRAGE: Wenn das inhaltlich so schwierig ist, dann stelle ich noch einmal die formale Frage. Es ist tatsächlich so, dass das an alle drei Ministerien überwiesen worden ist. Warum fühlt sich das Familienministerium an diese Empfehlung, die tatsächlich auf ein sehr langes Verfahren zurückgeht, nicht gebunden?

Ich habe noch eine konkrete Nachfrage. Sie sagten, alle Beteiligten wollten den Deutschen Verein. In dem Beschluss, an dem alle beteiligt waren, steht etwas anderes.

KINERT: Ich kann mich ¬ sicherlich zu Ihrem Ärger ¬ an dieser Stelle nur wiederholen: Über die Gründe dafür, dass die Entscheidungen so gefallen sind, wie sie sind, und dass der deutsche Verein auf Wunsch der von mir genannten Stellen die Organisation des rundes Tisches übernehmen soll, werde ich an dieser Stelle, weil es eben ein laufendes Verfahren ist, keine Auskunft geben. Wir sind sehr zuversichtlich, dass es im Januar eine erste Sitzung des runden Tisches geben wird. Dann wird man sehen, wie die nächsten Schritte sind, und dann kann man sicherlich auch inhaltlich sprechen.

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Wortlaut des Briefes vom 15.12.2009 - Von Herrn Dr. Hermann Kues an Frau Kersten Naumann

Frau
Kersten Naumann MdB                                                                                                     Dr. Hermann Kues
Vorsitzende des Petitionsausschusses des                                                                      Parlamentarischer
Deutschen Bundestages                                                                                                    Staatssekretär
Platz der Republik 1                                                                                                            Alexanderstr. 3
11011 Berlin                                                                                                                         1118 Berlin

                                                                                                                                        Berlin, 15.12.2008


Sehr geehrte Frau Vorsitzende

Der Deutsche Bundestag hat in seiner Sitzung am 4. Dezember 2008 die Beschlussempfehlung Ihres Ausschusses zur Aufarbeitung der westdeutschen Heimerziehung in den Jahren 1949 bis 1975 verabschiedet (BT-Drs. 16/11102). Darin werden die Bundesregierung sowie die betroffenen Landesparlamente und Landesregierungen aufgefordert, einen Runden Tisch zur Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse einzurichten.

Das öffentliche Interesse an der Aufarbeitung dieses bedrückenden Themas ist groß. Bereits heute können wir absehen, dass die Art und Weise, wie mit dem Schicksal der Betroffenen seitens Politik und Fachwelt umgegangen wird, aufmerksam verfolgt wird. Vor diesem Hintergrund unterstützt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die zügige Einrichtung eines Runden Tisches. Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, wenn dieser so installiert würde, dass eine erste Sitzung bereits Ende Januar 2009 stattfinden kann. Ein Abschlussbericht wäre dann bis Ende 2010 vorzulegen.

Aus diesem Grund sind wir umgehend nach der Beschlussfassung des Deutschen Bundestages aktiv geworden. In einem ersten Schritt haben wir gemäß der Beschlussempfehlung Ihres Ausschusses ein Konzept zu Struktur und Ablauf eines Runden Tisches entwickelt. Auch fand bereits ein erstes Abstimmungsgespräch mit Frau Bundestagsvizepräsidentin a. D. Dr. Antje Vollmer statt.


Mit Blick auf die organisatorische Unterstützung des Runden Tisches konnten wir den Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. gewinnen. Wir sind davon überzeugt, dass der Deutsche Verein aufgrund seiner Struktur und seines fachlichen Know-how hervoragend aufgestellt ist, um die bevorstehenden Aufgaben zu übernehmen. Wie kaum ein anderer Verein ist er untrennbar verworben mit der Geschichte der sozialen Arbeit in Deutschland. Gleichzeitig stößt er auf eine breite Akzeptanz bei denjenigen Organisationen, die sich voraussichtlich am Runden Tisch beteiligen werden.

Frau Ministerin van der Leyen hat den Vorsitz der Jugend- und Familienminister-konferenz (JFMK), Herrn Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin Prof. Dr. E. Zöllner, über den Stand des Verfahrens informiert. Gleichzeitig wurde Herr Senator Zöllner darum gebeten, unseren Konzeptentwurf im Rahmen der JFMK mit den (westdeutschen) Bundesländern abzustimmen und sowohl die Vertretung der Länder als auch die Finanzierung der organisatorischen Unterstützung der Arbeit des Runden Tisches sicher zustellen.

Das Konzept füge ich Ihnen zur Kenntnis in der Anlage bei. Die Vertretung der Bundesregierung am Runden Tisch wird unser Haus übernehmen. Wir werden den Petitionssauschuss des Deutschen Bundestages selbstverständlich über das weitere Vorgehen informieren.

Für Rückfragen steht in meinem Haus die zuständige Abteilungsleiterin Dr. Anette Niederfranke (anette,niederfranke@bmtsf.bund.de) gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Hermann Kues

Anlage

 

Einrichtung eines "Runden Tisches"

"Heimunterbringung in den 50er und 60er Jahren"

Entwurf: Stand 05. 12.2008

I      Ziel eines Runden Tisches

Mit  der Einrichtung eines „Runden Tisches“ sollen, unter Einbeziehung Verantwortlicher Vertreterinnen und Vertreter der Trägerseite, der Länder und der Kommunen, die in der Befassung des Petitionssauschusses offen gebliebenen Probleme erörtert und eine Lösung entwickelt werden. Dem „Runden Tisch“ kommt damit eine Erörterungs- und Abklärungsfunktion zu. Der/die Vorsitzende nimmt eine Moderatorenfunktion wahr.

 II    Aufgaben eines Runden Tisches

Sichtung und Auswertung des Forschungsstandes (Forschungsergebnisse, Trägereinschätzungen, Publikationen, etc.) (Inzwischen liegen zu dem Problem erste Hinweise/Stellungnahmen vor (Schleswig-Holsteiner Landtag DS16/2187) vor. Träger der freien und der öffentlichen Jugendhilfen haben Gutachten in Auftrag gegeben, die die Situation in den jeweiligen Trägerbereichen aufzeichnen sollen (so z. B. Diakonisches Werk; Deutscher Caritasverband, Landesjugendamt Rheinland, Landesjugendamt Westfalen-Lippe; Prof. Dr. Christian Schrapper hat ein entsprechendes Forschungsprojekt für Schleswig-Holstein vor, auch an der Uni Bochum – Theologische Fakultät wird zum Thema gearbeitet).

Erarbeitung eines Rahmens, in dem die Erfahrungen und individuellen Beeinträchtigungen Betroffener gewürdigt und in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen bzw. deren Nachfolgeinstitutionen aufgearbeitet werden können.

Entwicklung von Lösungsvorschlägen für die Berücksichtigungen individueller Ansprüche (z. B. Rentenansprüche, OEG).

Die Finanzierung kann im Wege einer Projektfinanzierung erfogen. Die Finanzierung erfolgt durch Übernahme von 50% durch den Bund und 50% durch die westlichen Bundesländer, aufgeteilt nach dem Königsteiner Schlüssel. Der Aktionszeitraum des Runden Tisches ist auf maximal 2 Jahre zu begrenzen (bis Ende 2010)

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